Panikschloss – Sicherheit für den Fluchtweg

Panikschloss

Das Panikschloss spielt eine zentrale Rolle im Brandschutz. Bei einem Brand kommt es nicht nur zu Sachschäden. Auch das Leben von Menschen kann bei einem Brand auf dem Spiel stehen. Es gibt zahlreiche Beispiele, in denen durch mangelnden Brandschutz Menschen zu Tode kamen. Wenn sich die rettende Tür nicht öffnet, kommt es schnell zur Panik und unzählige Menschenleben sind in Gefahr. So z.B. auch beim Brand des Ringtheaters in Österreich (1881) – hier kamen 386 Menschen ums Leben. Diese Katastrophe war Ausgangspunkt für die Entwicklung des normierten Brandschutzes, wie wir ihn heute kennen. Mittlerweile ist das Thema Brandschutz allgegenwärtig.

Was ist ein Panikschloss?

Wenn es um die Absicherung des Fluchtweges geht, dann kommt hierfür häufig ein Panikschloss (auch Antipanikschloss genannt) zum Einsatz. So wird gewährleistet, dass eine Tür im Notfall von innen jederzeit geöffnet werden kann, auch wenn sie abgeschlossen ist. Dies ist der Unterschied zur Tür mit normalem Profilzylinder, die im abgeschlossenen Zustand nur mit Schlüssel geöffnet werden kann.

Das Panikschloss ermöglicht eine Flucht aus einem Gebäude. Von außen soll allerdings unbefugtes Betreten verhindert werden. Deshalb müssen Türen mit Panikschloss von außen ganz normal aufgeschlossen werden. Diese Doppelfunktion wird häufig auch für Haustüren von Mehrfamilienhäusern verwendet. Von außen ist die Tür mit einem Schließzylinder gegen Einbrecher gesichert – während sie von innen ohne Schlüssel geöffnet werden kann.

Angebracht wird ein Panikschloss wahlweise an einflügeligen oder zweiflügeligen Türen. Mit nur einer einfachen Handbewegung wird die komplett abgeschlossene Türanlage (Falle und Riegel sind geschlossen) mit einer Sicherheitsvorrichtung im Türschloss entriegelt. Die Panikschloss-Funktion bezieht sich immer auf die Innenseite von Fluchttüren.

Kurze Begriffserklärung:
  • Die Falle bezeichnet den "Schnapper", der mit der Türklinke bewegt wird
  • Der Riegel befindet sich unterhalb der Falle und ist mit dem Schlüssel ein- und ausfahrbar
  • Eine Türklinke oder eine Querstange wird als Drücker bezeichnet

Panikschloss mit Stangenbeschlag

Panikschloss mit Stangenbeschlag
Panikschloss mit Stangenbeschlag in Notausgangstüren

Um die Funktion noch weiter zu verbessern bzw. zu vereinfachen, kommen häufig Betätigungsstangen (ein Stangenbeschlag) statt Türklinken zum Einsatz. Diese verlaufen über das gesamte Türblatt. Ein leichter Druck gegen die Stange öffnet innerhalb einer Sekunde das Schloss, sodass das Öffnen der Tür auch in höchster Panik möglich wäre.

Stangenbeschläge werden dort verwendet, wo ggf. viele Menschen in ihnen unbekannter Umgebung flüchten müssen. Dies ist zum Beispiel in Konzerthallen der Fall. Eine sehr sichere Lösung, wenn im Fall einer Panik mit einer großen, nachdrängenden Menschenmasse zu rechnen ist.

Wie funktioniert ein Panikschloss?

Bei einem normalen Schloss sind an beiden Seiten der Tür Drücker (bzw. Türklinken) zu finden. Diese sind durchgehend mit einer festen, vierkantigen Stange verbunden, die wiederum in der Drückernuss steckt. Dies ist die Öffnung, durch die die Vierkantstange führt.

Wird die Türklinke gedrückt, so dreht sich die Vierkantstange um die Längsachse. Diese Drehbewegung wird in der Drückernuss umgewandelt, sodass die Falle (der „Schnapper“) zurückgezogen wird – die Tür lässt sich nun öffnen.

Wichtiges Merkmal bei einer klassischen Tür: Wenn die Tür abgeschlossen ist, so verhindert ein Riegel, dass die Tür geöffnet werden kann. Sie müssen einen Schlüssel im Schließzylinder drehen, damit sich der Riegel zurückzieht und die Tür zu öffnen ist.

Bei einem Panikschloss lassen sich die Türen von innen (also in Fluchtrichtung) ohne einen Schlüssel öffnen. Von außen sind die Türen (wie bei normalen Schlössern) verriegelt. Für die Außenseite, auch Panikgegenseite genannt, gibt es verschiedene Mechanismen.

  • Panikschloss mit Schließzwangfunktion (Funktion C): Bei dieser Mechanik steht die äußere Klinke auf Leerlauf. Die Tür lässt sich von außen nur durch einen Schlüssel öffnen. Hierfür muss der Schlüssel in den Schließzylinder eingesteckt und bis zum Anschlag gedreht werden – dann läßt sich die Tür mittels Türklinke öffnen. Wenn der Schlüssel abgezogen wird und die Tür ins Schloss fällt, fällt die Türklinke in den Leerlauf zurück. Sie ist nun von außen nicht mehr zu öffnen.
  • Panikschloss mit Umschaltfunktion (Funktion B): Diese Lösung wird auch als „Panikschloss beidseitig“ bezeichnet. Im abgeschlossenen Zustand befindet sich die äußere Türklinke im Leerlauf. Mit dem Schlüssel kann dieses Schloss aber umgeschaltet, also permanent aufgeschlossen werden. Auch bei abgezogenen Schlüssel kann die Tür dann von außen mit der Türklinke ganz normal geöffnet werden. Erst, wenn die Tür aktiv abgeschlossen wird, befindet sich die äußere Türklinke wieder im Leerlauf.
  • Panikschloss mit Feuerwehr- bzw. Durchgangsfunktion (Funktion D): Hierbei handelt es sich um eine ähnliche Mechanik wie Funktion C. Allerdings ist die Tür nach Betätigung der Panikfunktion auch von außen unverriegelt, um Rettungsmaßnahmen z.B. durch die Feuerwehr zu ermöglichen.
Funktionsweise von Schließzwangfunktion und Umschaltfunktion: Die Drückernuss und auch die Vierkantstange sind bei diesen Schlössern geteilt. So werden für beide Seiten der Tür verschiedene Funktionen ausgelöst. Jede Seite der Tür hat somit quasi ein eigenes Schloss. Die Drückernuss, die die Panikfunktion auslöst (in Fluchtrichtung) heißt Zwingnuss. Wird die Türklinke in Fluchtrichtung betätigt, werden Schnapper und Riegel zusammen zurückgezogen und die verschlossene Tür lässt sich von innen öffnen.
  • Panikschloss mit Türknauf bzw. Wechselfunktion (Funktion E): Auf der Außenseite befindet sich ein fester Türknauf. Die Tür lässt sich daher von außen nur mit Schlüssel öffnen. Von innen hat das Schloss eine Panikfunktion. Durch Betätigen der Türklinke werden somit Falle und Riegel zugleich zurückgezogen. Häufig kommt diese Schloss-Variante bei Mehrfamilienhäusern und Haustüren zum Einsatz.
  • Panikschloss für Flügeltüren: In öffentlichen Gebäuden kommen oft Flügeltüren zum Einsatz, da dies breitere Gänge erlaubt. Flügeltüren haben einen Gangflügel und einen Standflügel. Der Gangflügel wird normalerweise für den Durchgang benutzt und hat eine Panikfunktion, die nur diesen Flügel öffnet. Der Drücker des Standflügels öffnet hingegen beide Flügeltüren. So stellt die Flügeltür bei einer Panik kein Nadelöhr dar.

Die nachfolgende Tabelle fasst die einzelnen Panik-Funktionen zusammen.

PanikfunktionBCDE
Äußerlicher TürbeschlagDrückerDrückerDrückerKnauf, Stange oder Stoßgriff
FunktionUmschalt-FunktionSchließzwang-FunktionDurchgangs- bzw. Feuerwehrs-FunktionWechsel-Funktion
Verriegelt: äußerlicher Zugangausschließlich mit Schlüsselausschließlich mit Schlüsselausschließlich mit Schlüssel (außer nach Panikentriegelung, hier auch ohne Schlüssel)ausschließlich mit Schlüssel
Entriegelt: äußerlicher Zugangnach Umschaltung mit Schlüsselmit eingestecktem Schlüsselgänzlich freinach elektrischer Türöffnung oder mit Schlüssel

Welche Vorschriften gibt es für Fluchttüren?

In jedem europäischen Land gibt es Gesetze oder Bauverordnungen, die sich mit Beschaffenheit von Fluchttüren befassen. Gemeinsam ist Ihnen:

  • Fluchttüren müssen immer in Fluchtrichtung einfach (durch Druck oder Klinke ohne Schlüssel) zu öffnen sein. Knaufzylinder, die zwar von innen keinen Schlüssel, aber eine Drehung am Knauf benötigen, sind nicht zugelassen.
  • Fluchttüren müssen auf voller Breite des Fluchtwegs zu öffnen sein (keine Hindernisse). Sie müssen ständig freigehalten werden. Ausgenommen sind Wohnungstüren, Wohnraumtüren o.ä.
  • Die nächste Fluchttür zur Treppe, zum Ausgang oder einem brandtechnisch getrennten Abschnitt darf vom entferntesten Punkt des Raumes nur 40 m entfernt liegen.
Interessant: Im Jahr 2013 wurde eine EU-weit „harmonisierte Norm“ in Form von EN 179 und EN 1125 eingeführt. Hierbei wird der Beschlag von Panikschlössern unterschieden.
  • EN 179 gilt für „Notausgangsverschlüsse“. Die Türen sind hierbei über eine einfache Türklinke zu öffnen. Diese Norm wird z.B. für Büros angewendet. Voraussetzung ist, dass sich vergleichsweise wenig Menschen im Fluchtbereich befinden, die ortkundig sind.
  • EN 1125 gilt für „Panikverschlüsse“. Die Türen sind über eine Betätigungsstange (Panikstange ) zu öffnen. Diese Norm wird für Hallen und große Veranstaltungsgebäude angewendet. Voraussetzung ist, dass sich viele Menschen ohne Ortskenntnis im Gebäude befinden, und das Risiko für eine Panik z.B. im Brandfall groß ist.

In welchen Türen muss ein Panikschloss eingebaut werden?

Panikschloss - Einbau in verschiedene Türen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, im Notfall einen Fluchtweg bereitzustellen. Ein Panikschloss ist eine Option und bietet sich beispielsweise für Mehrfamilienhäuser oder Außentüren von öffentlichen Gebäuden an. Die Tür ist von außen nicht (immer) frei zugänglich. Wenn ein Mensch im Notfall von innen nach außen gelangen muss, dann muss eine verschlossene Tür mit Panikschloss nicht extra aufgeschlossen werden. Fluchttüren, die nicht gegen ein Eindringen von außen gesichert werden müssen (beispielsweise innerhalb eines Gebäudes), können auch mit einem Blindzylinder versehen werden. So sind sie immer beidseitig unverschlossen.

Blindzylinder oder Panikschloss für Feuerschutztüren?

Bei Brandschutztüren kommen häufig Panikschlösser zum Einsatz, alternativ auch Blindzylinder. Beide müssen hierfür speziellen Bestimmungen für den Brandschutz genügen. Bei einem Blindzylinder ist die Tür nicht abschließbar, bietet aber dennoch Schutz vor Feuer und Rauch. Der Blindzylinder verschließt die Profilzylinderöffnung der Tür so, dass Rauch und Sauerstoff nicht hindurch gelangen. Als Material kommt in der Regel Edelstahl zum Einsatz – unabhängig davon, ob das Panikschloss in einer normalen oder einer Feuerschutztür eingebaut wird. Ein Blindzylinder, der für die Kriterien der Brandschutzbestimmungen entwickelt wurde, ist z.B. der EASYBLIND.

Was ist der Unterschied zwischen Panikschloss und Antipanikschloss?

Ein Antipanikschloss unterscheidet sich nicht von einem Panikschloss. Beide Begriffe beschreiben die gleiche Funktion. Im Prinzip ist der Begriff „Antipanikschloss“ treffender, da dieses Schloss eine Panik verhindert. Trotzdem ist der Begriff „Panikschloss“ für diesen Schlosstyp gebräuchlicher. Unterschiede gibt es nur in den unterschiedlichen Mechanismen der Panikschlösser, wie oben beschrieben.

Begriffe: Panikschloss und Antipanikschloss meint das Gleiche.

Kann man ein Panikschloss nachträglich einbauen?

Natürlich, es ist möglich, diese Art von Einsteckschloss jederzeit nachträglich einbauen zu lassen und den normalen Schließzylinder zu ersetzen. Dies kann nötig sein, wenn sich beispielsweise durch bauliche Veränderungen neue Fluchtwege ergeben und diese entsprechend des Brandschutzes mit einem Panikschloss versehen werden müssen.

Sie haben Fragen zum Blindzylinder EASYBLIND?

EASYBLIND ist ein patentierter Blindzylinder, der ohne Werkzeug in wenigen Sekunden montiert wird. Die beste Lösung am Markt – und die cleverste Lösung am Markt! Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns!

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